Vergleichende Untersuchung zur Belastung und Beanspruchung am Arbeitsplatz durch Reinigungsmittel auf Mineralölbasis und Reinigungsmittel auf pflanzlicher Basis unter besonderer Berücksichtigung akuter und chronischer Hauterkrankungen
(Alternative Reinigungsmittel im Offsetdruck)

 

 

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(gefördert durch den Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung, abgeschlossen Dezember 2003)
(Ansprechpartner: Dr. med. G. Korinth, Prof. Dr. med. H. Drexler)

 

Einführung
Viele Offsetdruckereien setzen Lösungsmittel auf Kohlenwasserstoffbasis zur Reinigung von Druckmaschinen ein. Durch den Ersatz leichtflüchtiger Lösungsmittel der Flammpunktklassen AI und AII konnte die Gesundheitsbelastung der Arbeiter durch Lösungsmitteldämpfe aus der Atemluft minimiert werden. Die Ersatzprodukte bestehen in der Regel aus Reinigungsmitteln auf Pflanzenölesterbasis und schwerflüchtigen Kohlenwasserstoffen.

Ziel der Studie
Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde u.a. geprüft, wie sich im Offsetdruck eingesetzte Reinigungsmittel auf die Haut auswirken.

Methoden
Das Forschungsprojekt bestand aus zwei Studienteilen:

  • Untersuchungen von Arbeitern in Offsetdruckereien (standardisierter Fragebogen, ärztliche Hautuntersuchung und hautphysiologische Messungen)
  • Laboruntersuchungen (Biomonitoring und Hautpenetrationsuntersuchungen)

Für die Feldstudie wurden 3 Gruppen bzw. Kollektive ausgewählt:

  • Arbeiter, die Umgang mit Reinigungsmitteln auf Basis von Pflanzenölestern hatten. In diese Gruppe gehörten auch Arbeiter, die Mischprodukte verwendeten oder die freie Wahl zwischen Reinigungsmitteln auf Mineralöl- oder Pflanzenölester-Basis hatten
  • Arbeiter, die Umgang mit Reinigungsmitteln auf Mineralölbasis hatten
  • Vergleichskollektiv: Arbeiter aus dem Versand der Zeitungsdruckereien

Im Rahmen hautphysiologischer Messungen wurden transepidermaler Wasserverlust, (TEWL), pH-Wert der Haut sowie Corneometrie im Bereich des Handrückens und des Unterarmes bestimmt.
Zur Ermittlung der Aufnahme der Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln wurde der Urin der Arbeiter untersucht (Biomonitoring). Das Biomonitoring erfolgte hinsichtlich einer möglichen Belastung gegenüber folgenden Arbeitsstoffen: C8- und C9-Aromaten (Ethylbenzol, 1,2,4-Trimethylbenzol, o-, m- und p-Xylol) und Glykolether bzw. Glykoletheracetate (Methoxypropanol, Methoxypropylacetat, Methoxyethanol, Methoxyethylacetat, Ethoxyethanol, Ethoxyethylacetat, Butoxyethanol, Butoxyethylacetat, 2-Butoxyethoxyethanol und Phenoxyethanol).
Hautpenetrationsuntersuchungen wurden mittels der Diffusionszell-Methode durchgeführt. Als Teststoffe wurden exemplarisch Isopropanol, Ethylenglykol, 2-Butoxyethanol sowie 1,2,4-Trimethylbenzol ausgewählt, die als Inhaltsstoffe unter anderem in Reinigungsmitteln, Feuchtmitteln oder in Spezialreinigern enthalten sein können. Die Untersuchungen wurden unter Laborbedingungen mit exzidierter Humanhaut sowie mit Handschuhmaterial (Nitrilkautschuk) unter Einsatz von 50% bzw. 10% wässrigen Verdünnungen der jeweiligen Lösungsmittel durchgeführt. Zusätzlich wurde ein experimentell hergestelltes Gemisch aus einem Reinigungsmittel auf Mineralölbasis und Isopropanol getestet (10%iger Anteil Isopropanol).

Ergebnisse
Insgesamt wurden 729 Arbeitnehmer ärztlich untersucht. Bei den beobachteten Hautveränderungen wurde insbesondere die Rötung und Schuppung der Haut bewertet. Die geringste Hautbeanspruchung fand sich bei Druckern, die zur Reinigung ihrer Druckmaschinen AIII-Stoffe verwendet haben, während der Umgang mit Reinigungsmitteln auf Basis von Pflanzenölestern die Haut am stärksten beanspruchte. Mit zunehmender Dauer des Umgangs mit Reinigungsmitteln pro Tag wurde eine Verschlechterung des Hautzustandes der Arbeiter beobachtet.
Im Handrückenbereich fanden sich beim TEWL zwischen Druckern, die Umgang mit Reinigungsmitteln auf Mineralölbasis und Pflanzenölbasis haben keine signifikanten Unterschiede. Im Unterarmbereich fanden sich dagegen Hinweise für eine höhere Hautbeanspruchung bei Druckern, die Umgang mit Reinigungsmitteln auf Pflanzenölbasis haben. Beim Vergleich der Probanden aus beiden Drucker-Kollektiven mit dem Kontrollkollektiv zeigte sich, dass die TEWL-Werte im Unterarmbereich bei Druckern bedeutsam höher als im Kontrollkollektiv sind. Bei detaillierter Betrachtung des Drucker-Kollektivs sprechen die Studienergebnisse dafür, dass der berufliche Umgang mit AIII-Stoffen die Haut am wenigsten von allen Reinigungsmittelgruppen beansprucht.
Die Konzentrationen der untersuchten Stoffe im Urin der Arbeiter lagen in den meisten Betrieben weit unterhalb der arbeitsmedizinischen Grenzwerte. Eine erhöhte Aufnahme wurde mit Ausnahme von 2 Druckereien, bei denen ein wässriger Spezialreiniger zur erhöhten Belastung mit Glykolethern führte, nicht beobachtet.
In Diffusionszell-Experimenten zeigte sich, dass die untersuchten Arbeitsstoffe in Gemischen und in verdünnter Form (50 %ige Verdünnung) besser durch die Haut penetrieren als in Reinform. Unter Anwendung von Hautschutzcremes kam es zu einer dermalen Penetrationserhöhung der Arbeitsstoffe (50%ige Verdünnung). Die untersuchten Nitrilhandschuhe boten gegen die getesteten wasserlöslichen Arbeitsstoffe (Isopropanol, Ethylenglykol) während der gesamten Testdauer von 16 Stunden eine effektive Schutzwirkung. Die Schutzwirkung der Nitrilhandschuhe war gegen das fettlösliche 1,2,4-Trimethylbenzol deutlich kürzer (ca. ½ Stunde).

Schlussfolgerungen
Unsere Biomonitoring-Untersuchungen zeigen, dass eine Aufnahme der Lösungsmittel aus Reinigungsmitteln auf Mineralölbasis und/oder Pflanzenölbasis in gesundheitsschädigender Menge bei Beschäftigten im Zeitungsdruck nicht festgestellt wurde. Die Erkenntnisse der vorliegenden Studie weisen darauf hin, dass es beim beruflichen Umgang mit Pflanzenölestern eines besonderen Hautschutzes bedarf. Beim Einsatz von Reinigungsmitteln mit hautresorptiven Inhaltsstoffen sollen Schutzhandschuhe getragen werden. Da der Umgang mit Pflanzenölestern zu einer erhöhten Hautbeanspruchung führen kann, empfiehlt sich auch beim Reinigen mit Pflanzenölestern im Offsetdruck das Tragen von Schutzhandschuhen.
Die Verwendung von Hautschutzcremes vor der Arbeit führt zu einer dermalen Penetrationserhöhung von Arbeitsstoffen, wäre aber dort zu diskutieren, wo sie die spätere Reinigung der Hände erleichtern. Bei beginnender Hautbeanspruchung können hautpflegende Cremes die Hautregeneration unterstützen.

 

Link zum Abschlussbericht (PDF-Datei) :
http://www.dguv.de/ifa/de/pro/pro1/pr9187/pr9187.pdf

 

IPASUM-Publikationen der Studienergebnisse

Göen T, Korinth G, Drexler H:
Butoxyethoxyacetic acid, a biomarker of exposure to water-based cleaning agents.
Toxicol Lett. 2002; 134:295-300.

Korinth G, Geh S, Schaller KH, Drexler H:
In vitro evaluation of the efficacy of skin barrier creams and protective gloves on percutaneous absorption of industrial solvents.
Int Arch Occup Environ Health. 2003; 76:382-386.

Korinth G, Göen T, Lakemeyer M, Broding HC, Drexler H:
Skin strain and its influence on systemic exposure to a glycol ether in offset printing workers.
Contact Dermatitis 2003; 49:248-254.

Korinth G, Göen T, Koch HM, Merz T, Uter W:
Visible and subclinical skin changes in male and female dispatch department workers of newspaper printing plants.
Skin Res Technol. 2005; 11:132-139.