Aminoalkohole

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"Entwicklung und Anwendung analytischer Methoden zur Bestimmung von Aminoalkoholen in menschlichem Urin"

 

2-Aminoethanol (MEA) Diethanolamin (DEA) Triethanolamin (TEA)
     

2-(2-Aminoethoxy)ethanol (DGA)   2-Amino-2-ethyl-1,3-propandiol (AEPD) 2-Amino-2-methyl-1-propanol (AMP)
     

   

1-Aminopropan-2-ol (MIPA)

   

      

Hintergrund

Die Aminoalkohole 2-Aminoethanol (MEA), Diethanolamin (DEA), Triethanolamin (TEA), 2-(2-Aminoethoxy)ethanol (DGA), 2-Amino-2-ethyl-1,3-propandiol (AEPD), 2-Amino-2-methyl-1-propanol (AMP) und 1-Aminopropan-2-ol (MIPA) werden in der Metallindustrie als Bestandteil so genannter Kühlschmiermittel und als Ausgangsstoffe zur Herstellung von Korrosionsinhibitoren, Entrostungsmitteln und Entschäumern eingesetzt. Kühlschmiermittel dienen in Metallbearbeitungsprozessen zur Abfuhr der entstehenden Verformungs- und Reibungswärme  zwischen Werkzeug und bearbeitetem Werkstück und dem Abtransport der entstehenden Späne. Einige Aminoalkohole sind bis in die privaten Haushalte verbreitet. Sie sind dort als Detergentien und Hilfsstoffe in Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegemitteln zu finden, unverändert oder in Form von Seifen oder Amiden. Die Jahresproduktion an MEA, DEA und TEA liegt europaweit bei insgesamt über 175.000 t. Bei den übrigen Aminoalkoholen handelt es sich um high production volume – Chemikalien, d.h. um Stoffe, die zu mehr als 1.000 Tonnen pro Jahr in mindestens einem OECD-Mitgliedsland produziert werden.

Die akute Toxizität der Aminoalkohole ist mäßig. Im Vordergrund stehen hier die reizenden Eigenschaften aufgrund der Alkalität dieser Stoffe. Generell haben sich in Tierversuchen über einen längeren Zeitraum unabhängig von der Art der Applikation die Leber und die Nieren als Zielorgane herausgestellt. DEA und TEA zeigten im Langzeit-Tierversuch ein kanzerogenes Potential. DEA wurde daher von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe in die Kanzerogenitäts-Kategorie 3A eingestuft. Für MEA ergaben sich Hinweise auf reproduktionstoxische Wirkungen. Es erfolgte eine Einstufung in die Schwangerschaftsgefährdungs-Gruppe C. Die toxikologische Datenlage für DGA, AEPD, AMP und MIPA ist als unzureichend anzusehen.

Für MEA, DEA, TEA und AMP sind Studien bezüglich des Metabolismus vorhanden. Sie werden weitestgehend unverändert via Urin ausgeschieden.

 

An Arbeitsplätzen der metallverarbeitenden Industrie mit spanenden Tätigkeiten kann es zu einer Aerosolbildung der aminoalkoholhaltigen Kühlschmiermittel und somit zu einer  inhalativen Aufnahme von Aminoalkoholen am Arbeitsplatz kommen. MEA, DEA, TEA, DGA und MIPA werden außerdem im Tierversuch in toxikologisch relevanter Menge perkutan resorbiert, für AEPD und AMP sind diesbezüglich keine Informationen verfügbar. Es besteht hier somit weiterhin die Möglichkeit einer dermalen Aufnahme dieser Stoffe. Eine Aufnahme über die Haut kann auch durch die Anwendung aminoalkoholhaltiger Wasch- und Reinigungsmittel und Kosmetika durch die Allgemeinbevölkerung erfolgen.

Eine reale Abschätzung der über diese Wege tatsächlich aufgenommenen Menge an Aminoalkoholen ist derzeit nicht möglich, da die Datenlage bezüglich ihrer hautresorptiven Eigenschaften und der Auswirkungen einer inhalativen Aufnahme von Aminoalkohol-Aerosolen unzureichend ist. Eine Aufklärung der vom Körper aufgenommenen Menge dieser Stoffe zur Abschätzung von potentiell toxischen Effekten auf den Menschen ist im Sinne von präventiven Maßnahmen sowohl am Arbeitsplatz als auch in den Privathaushalten erforderlich. Zu diesem Zwecke ist die Entwicklung von analytischen Methoden für ein biologisches Monitoring von Aminoalkoholen unerlässlich.