Untersuchungen zur Hautpenetration von Schadstoffen am Beispiel von Schwefelkohlenstoff

Suche


(gefördert von der Alfred Rohrschneider-Stiftung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (F 3-612-02.57), Laufzeit 2010-2011)

(Ansprechpartner: Dr. med. G. Korinth, Prof. Dr. med. H. Drexler)

 

Einleitung
Schwefelkohlenstoff (Kohlenstoffdisulfid, CS2) ist eine in der Natur frei vorkommende Verbindung, die z.B. bei Fäulnisprozessen entsteht. Die höchste Belastung des Menschen gegenüber CS2 besteht an industriellen Arbeitsplätzen in der Produktion von Kunstseide- und Zellstoffindustrie sowie bei einer Vulkanisationsbeschleuniger-Exposition. CS2 wird unter anderem auch als Pflanzenschutzmittel im Weinbau zur Bekämpfung der Reblaus eingesetzt und ist ein gutes Lösungsmittel für Fette, Öle und Harze. In der Umwelt resultiert eine Belastung des Menschen auch aus Zigarettenrauch. Beim CS2 stehen toxikologisch im Vordergrund neurologische (Reinhardt et al. 1997) und kardiologische (Korinth et al. 2003) Effekte. Bei einer hohen CS2-Exposition ist auch von einer Schädigung des ungeborenen Kindes im Mutterleib auszugehen.
Obwohl CS2 als gut hautgängig eingestuft wird, existieren keine Studien mit speziell dieser Fragestellung.

Methoden
Mit der etablierten Diffusionszell-Methode (Franz 1975, Korinth et al. 2005) soll an exzidierter Humanhaut die Hautpenetration von Schwefelkohlenstoff unter Arbeitsplatz-relevanten Expositionsverhältnissen untersucht werden und die Effektivität persönlicher Schutzmaßnahmen beurteilt werden.
In einem parallelen experimentellen Ansatz wird geprüft, ob als geeignet eingestufte Hautschutzcremes in der Lage sind die Hautaufnahme von CS2 zu reduzieren, oder ob es nicht zu einer Hautpenetrationserhöhung kommt, wie dies für einige chemische Stoffe bekannt ist. Darüber hinaus wird das Hautpenetrationsverhalten von CS2 unter der Einwirkung von synthetischem Schweiß (Korinth et al. 2007) beurteilt. Nach 3-stündiger Exposition wird die Haut bzw. das Handschuhmaterial abgewaschen und die Effektivität der Reinigung auf die Penetration von CS2 durch die Haut geprüft. Die chemischen Analysen der Proben erfolgen mittels der Gaschromatographie.

Weiterführende Literatur:
Franz TJ:
Percutaneus absorption on the relevance of in vitro data.
J Invest Dermatol 64:190-195.

Korinth G, Göen T, Ulm K, Hardt R, Hubmann M, Drexler H:
Cardiovascular function of workers exposed to carbon disulphide.
Int Arch Occup Environ Health 2003; 76:81-85.

Korinth G, Geh S, Schaller KH, Drexler H:
In vitro evaluation of the efficacy of skin barrier creams and protective gloves on percutaneous absorption of industrial solvents.
Int Arch Occup Environ Health 2003; 76:382-386.

Korinth G, Schaller KH, Drexler H:
Is the permeability coefficient Kp a reliable tool in percutaneous absorption studies? Arch Toxicol 2005; 79:155-159.

Korinth G, Schmid K, Midasch O, Boettcher MI, Angerer J, Drexler H:
Investigations on permeation of mitomycin C through double layers of natural rubber gloves.
Ann Occup Hyg. 2007; 51:593-600.

Reinhardt F, Drexler H, Bickel A, Claus D, Angerer J, Ulm K, Lehnert G, Neundörfer B:
Neurotoxicity of long-term low-level exposure to carbon disulphide: results of questionnaire, clinical neurological examination and neuropsychological testing.
Int Arch Occup Environ Health 1997; 69:332-338.