Gefährdungsbeurteilung der intraoperativen Mitomycin Anwendung

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(gefördert durch die Marohn-Stiftung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, abgeschlossen 2007)

(Ansprechpartner: PD Dr. med. K. Schmid (Feldstudie), Dr. med. G. Korinth (In-vitro-Studie))

 

Einleitung
Die HIPEC (hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion) mit Mitomycin C (MMC) am offenen Abdomen stellt ein neues Therapieverfahren zur Behandlung der Peritonealkarzinose gastrointestinaler Tumore dar. Während dieser 90-minütigen Behandlung wird die auf 40-41°C erwärmte MMC-haltige Zytostatikalösung durch den Chirurgen manuell im Bauchraum durchmischt, um eine homogene Verteilung zu erreichen. Da das antineoplastische Medikament nicht nur mutagene, sondern auch teratogene sowie karzinogene Eigenschaften aufweist, ist es wichtig die gesundheitlichen Risiken einer möglichen Exposition für den Arzt sowie den Patienten abschätzen zu können.

Ziel der Studie
Das Expositionsrisiko der Chirurgen gegenüber MMC wird aufgrund des intensiven Kontaktes mit der Zytostatikalösung kontrovers diskutiert. Ziel der Untersuchungen war daher, das Sicherheitsrisiko des medizinischen Personals hinsichtlich der MMC-Belastung während der HIPEC anhand unterschiedlicher Monitoring-Strategien zu bewerten.

Kollektiv und Methoden
Es wurde zum einen die MMC-Konzentration in Raumluftproben am Operationsfeld bei drei HIPEC untersucht. Zudem wurde mittels einer neuen Analytikmethode die MMC-Konzentration im Plasma der Patienten (n=5) und der Chirurgen (n=5) im Anschluss an den operativen Eingriff bestimmt.
Im Rahmen von in-vitro Tests wurde die Permeabilität von drei verschiedenen, bei der HIPEC verwendeten doppelten Latexhandschuhe mittels zweier etablierter Methoden untersucht: der statischen Diffusionszelle (DZ) (n=40) und einer Glaskammer (GK) (n=4). Die in-vitro Versuche wurden unter realitätsnahen sowie unter „worst-case“ Bedingungen (hohe MMC-Konzentration, Einsatz von künstlichem Schweiß) durchgeführt. MMC wurde in verschiedenen wässrigen Verdünnungen bis zur 100-fachen der bei einer HIPEC verwendeten Konzentration getestet.

Ergebnisse
Eine MMC-Belastung in der Raumluft des jeweiligen Operationsfeldes ließ sich nicht nachweisen. Die MMC-Konzentration im Plasma der Patienten lag nach dem Eingriff durchschnittlich bei 361 µg MMC/l, bei den Chirurgen stets unterhalb der Nachweisgrenze von 1 µg/l.
Bei den GK-Versuchen fand sich keine Penetration von MMC durch das Handschuhmaterial. Auch bei den DZ-Experimenten wurde bis zur 4-fach höheren MMC-Konzentration kein Durchbruch festgestellt. Nur in einem DZ-Experiment wurde – bei einer im Vergleich zu Realbedingungen 100-fach höheren MMC-Konzentration – nach 15 Minuten Exposition ein Durchbruch des Handschuhmaterials detektiert.

Schlussfolgerungen
Der Einsatz von MMC während HIPEC macht die Etablierung valider Sicherheitsempfehlungen zum Schutz des ärztlichen und nicht-ärztlichen Personals erforderlich. Anhand der vorliegenden Studie konnten hierzu folgende Erkenntnisse gewonnen werden:

  • Von einer relevanten Raumluftbelastung mit MMC ist bei vorgestellter Behandlungsmethode nicht auszugehen
  • Anhand der angewandten Analytikmethoden zur Gefährdungsbeurteilung erscheinen die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen aus arbeitsmedizinischer Sicht effektiv
  • Durch Tragen doppelter Latex-Handschuhe sollten Operateure vor einer dermalen Exposition mit MMC im Rahmen einer HIPEC geschützt sein

Kooperationspartner
Chirurgische Klinik der Universität Erlangen-Nürnberg

IPASUM-Publikationen der Studienergebnisse

Schmid K, Boettcher MI, Pelz JO, Meyer T, Korinth G, Angerer J, Drexler H:
Investigations on safety of hyperthermic intraoperative intraperitoneal chemotherapy (HIPEC) with Mitomycin C.
Eur J Surg Oncol 2006; 32:1222-1225.

Korinth G, Schmid K, Midasch O, Boettcher MI, Angerer J, Drexler H:
Investigations on permeation of mitomycin C through double layers of natural rubber gloves.
Ann Occup Hyg 2007; 51:593-600.