Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel (PSM)

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Untersuchungen zur Belastung und Beanspruchung der Allgemeinbevölkerung und beruflich exponierter Personen durch Organophosphate und Pyrethroide

 

Einleitung

Organophosphate und Pyrethroide spielen als Pflanzenschutz- und Schädlings-bekämpfungsmittel in der Bundesrepublik Deutschland wie auch in anderen Ländern der Europäischen Union und der Welt eine große Rolle. Chlorpyrifos ist einer der wichtigsten Organophosphat-Wirkstoffe weltweit und zählt zu den Organophosphat-Pestiziden mit den größten Verkaufsmengen in der Bundesrepublik Deutschland. Pyrethroide werden ebenfalls (immer noch) breit gefächert eingesetzt. Die Allgemeinbevölkerung kann v.a. über Rückstände in Nahrungsmitteln, aber auch durch Anwendung im häuslichen Bereich gegenüber diesen Pestiziden exponiert sein.

Die Bestimmung der inneren Dosis ist die Voraussetzung zur Erfassung der direkten und indirekten Expositionspfade und der tatsächlich bestehenden Gesundheitsgefährdung. Durch die Bestimmung von Wirkstoffen bzw. deren Metaboliten in den Körperflüssigkeiten des Menschen (biologisches Monitoring) kann diese tatsächliche Belastung erfasst werden. Viele Wirkstoffe werden im menschlichen Körper rasch abgebaut, so dass der Nachweis der Exposition i.d.R. nur über deren ausgeschiedene Metabolite erfasst werden kann, so auch der Fall bei den Organophosphaten und Pyrethroiden. Nur bei extrem hoher Exposition bzw. sofort nach einer Exposition kann evtl. mit geringsten Mengen des ursprünglichen Wirkstoffs im Urin gerechnet werden.

 Der Organophosphat-Metabolismus im menschlichen Körper verläuft vorrangig über oxidative Prozesse und die hydrolytische Spaltung der Esterbindungen. Mit wenigen Ausnahmen führt der Stoffwechsel zur Bildung von mindestens einem der sechs Alkyl(thio)phosphat-Metaboliten DMP, DMTP, DMDTP, DEP, DETP und DEDTP. Einige der relevanten Organophosphate führen im Verlauf ihres Metabolismus neben diesen allgemeinen, nur gruppenspezifischen Metaboliten auch zu Stoffwechselprodukten, die nur für diesen Wirkstoff charakteristisch sind. Im Falle von Chlorpyrifos bzw. Chlorpyrifos-methyl ist dies 3,5,6-Trichlor-2-pyridinol (siehe Abbildung nächste Seite).

In Anbetracht der Tatsache, dass durch die nur gruppenspezifischen Alkyl(thio)phosphate die gesamte Belastung mit organischen Phosphorverbindungen integriert erfasst wird - möglicherweise auch unter Einschluss nicht-pestizider Verbindungen - ist die Kenntnis der Ausscheidung von Metaboliten, die charakteristisch für die einzelnen Wirkstoffe sind, besonders wichtig. Die Überwachung der Ausscheidung von Alkyl(thio)phosphaten in der deutschen

Abbildung: Metabolismus von Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl

 

Allgemeinbevölkerung wird am Institut der Antragsteller routinemäßig durchgeführt, Kontrolluntersuchungen von 3,5,6-Trichloro-2-pyridinol wurden in Deutschland bisher

noch nicht durchgeführt. Für den Parameter 3,5,6-Trichloro-2-Pyridinol lagen die Bestimmungsgrenzen in Urin bei 1,0 - 1,2 µg/l (Hill et al., 1995, Aprea et al., 1997) bzw. die Nachweisgrenzen zwischen 0,2 und 0,5 µg/l (Ormand et al., 1999, Bartels et al., 1992). Um die Allgemeinbevölkerung komplett zu erfassen musste hier eine Absenkung der Bestimmungsgrenze um den Faktor 10 erreicht werden.

In den bisher in Deutschland zum Nachweis von Pyrethroid-Metaboliten angewandten Methoden lagen die Bestimmungsgrenzen für cis- und trans-Cl2CA, Br2CA, F-PBA sowie 3-PBA bei 0,2 µg/l Urin (Butte et al., 1998, Hardt et al., 1999).

Lediglich unter Verwendung der hochauflösenden Massenspektrometrie in Verbindung mit negativer chemischer Ionisierung ließen sich bisher

Abbildung: Metabolismus der Pyrethroide am Beispiel des Permethrin

 

Nachweisgrenzen von 0,03 µg/l Urin erreichen (Leng et al., 1997). Diese apparativ sehr aufwendige Methode wurde allerdings bisher nicht zum biologischen Monitoring der Allgemeinbevölkerung eingesetzt.

Eine Basisbelastung der Allgemeinbevölkerung durch Pyrethroide galt allgemein als möglich. In den bisher veröffentlichten Studien lag jedoch der Median der bestimmten Metabolite immer unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,2 µg/l Urin.

Zielsetzung war es deshalb, eine Methode mit einer Nachweisgrenze zu entwickeln, mit der die Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung durch Pyrethroide sicher nachweisbar ist, d. h. deutlich unter den bisher erreichten 0,1 µg/l. Zudem sollte diese Methode für die Routineanalytik geeignet sein und keinen erhöhten apparativen Aufwand benötigen.


Entwickelte analytische Methoden

 

Organophosphat-Pestizide

Sämtliche Referenzsubstanzen bezüglich der Organophosphat-Wirkstoffe (die Pestizide Chlorpyrifos, Chlorpyrifos-methyl, Parathion und Parathion-methyl, deren spezifischen Metabolite p-Nitrophenol und 3,5,6-Trichloro-2-Pyridinol und alle Alkyl(thio)phosphate), sowie eine Reihe nötiger interner Standards wurden beschafft.

Da sich nach ersten Versuchen abgezeichnet hat, dass auch in Deutschland eine Basisbelastung der Allgemeinbevölkerung mit 3,5,6-Trichloro-2-Pyridinol erkennbar ist, wurde zunächst diese Methode entwickelt.

Zielsetzung war es v.a. eine Nachweisgrenze zu erlangen, die deutlich unter dem Mittelwert der aktuellen deutschen Basisausscheidung liegt, also noch tiefer als die im Arbeitsprogramm veranschlagten 0,5µg/l.

Dies ist durch hohe Aufkonzentration und Matrixabtrennung durch eine automatisierte Wasserdampfdestillation sowie einen weiteren Clean-up- und Anreicherungsschritt durch Festphasenextraktion erreicht worden. Für die Festphasenanreicherung wird ein völlig neues Material, ein Polystyrol-divinylbenzol-Copolimer der 3. Generation eingesetzt (Isolute 101®). Dies hat den Vorteil, bei extrem geringen Materialeinsatz (100mg) ideale Retentions- und Elutionseigenschaften zu besitzen.  Außerdem ermöglicht die Anreicherung an dieser Phase eine nahezu vollständige Trocknung vor der Elution, die für die anschließende Derivatisierung zur GC-Gängigkeit Voraussetzung ist. Das zunächst verwendete C18-Festphasenmaterial erwies sich nicht als praktikabel, da immer Reste von Wasser zurückblieben und relativ aufwendige Trocknungsschritte (Na2SO4-Trocknungssäule oder In-pot-Trocknung mit   Na2SO4 und  Nachwaschen) nötig waren. Weiterhin kann bei nur 100mg Isolute 101® -Festphasenmaterial mit wesentlich weniger Elutionsmittel eluiert werden (1ml), was die spätere Aufkonzentration erleichtert. Derivatisiert wird mit MTBSTFA (N-(tert-Butyldimethylsilyl-)-N-methyltrifluoracetamid), das für die Detektion an einem masseselektiven Detektor sehr gut Eigenschaften besitzt. Auf eine Detektion im NCI-Modus (Bartels et al., 1992) wurde verzichtet und der wesentlich wartungsfreundlichere und robustere EI-Modus angewandt. 

Mit der beschriebenen Methode wird eine Bestimmungsgrenze von 0,1µg/l in Urin und eine Nachweisgrenze von ca. 0,05µg/l erreicht. Die Methode ist validiert und wird bereits zur Bestimmung des spezifischen Chlorpyrifos- und Chlorpyrifos-methyl-Metaboliten bei der Allgemeinbevölkerung und exponierten Personen eingesetzt werden. Die Methode wurde publiziert (H. M. Koch und J. Angerer:

Analysis of 3,5,6-Trichloro-2-pyridinol in Urine Samples from the General Population using Gas Chromatography - Mass Spectrometry after Steam Distillation and Solid Phase Extraction. J. Chromatogr. B, 759-1, 43-49 (2001)).

 Trotz größter Anstrengungen gelingt es jedoch bis jetzt noch nicht, Nachweisgrenzen zu erreichen, die die Möglichkeit eröffnen, Organophosphate unmetabolisiert im Blut der Allgemeinbevölkerung nachzuweisen. Da die Organophosphat-Pestizide sehr schnell im Körper metabolisiert werden, sind bei Basisbelastungen mit Metabolitwerten um 1-10 µg/l Urin unmetabolisierte Organophosphate im Blut mit maximal 0,1-0,01 µg/l, zu erwarten.

 

 

Pyrethroide

Zum Nachweis der Pyrethroid-Metabolite cis- und trans-Cl2CA, Br2CA, F-PBA und 3-PBA wurde eine Methode mit Nachweisgrenzen von unter 0,1 µg/l entwickelt.

Dieses Ziel konnte durch die Einführung einer pH-Wert-gesteuerten flüssig-/flüssig-Extraktion mit n-Hexan sowie die Derivatisierung mit MTBSTFA (N-(tert-Butyldimethylsilyl-)-N-methyltrifluoracetamid) erreicht werden, so dass eine hohe Aufkonzentration und Abtrennung von störenden Matrixbestandteilen erfolgen kann.

Dazu werden die Metabolite nach erfolgter Hydrolyse in n-Hexan extrahiert und anschließend in basischem Milieu wieder in die wässrige Phase überführt. Nach erneutem Ansäuern erfolgt die zweite Extraktion mit n-Hexan.

Nach dem vollständigen Abdampfen des n-Hexans wird mit MTBSTFA in Toluol derivatisiert.

Die Vorteile dieses Derivatisierungsmittels liegen in den hervorragenden chromatographischen Eigenschaften sowie in dem günstigen Zerfallsschema der gebildeten Derivate. Damit wurde es möglich, die Pyrethroid-Metabolite in einem höheren (und damit störungsfreieren) Massenbereich zu detektieren als es mit den bisherigen Derivatisierungsmitteln (Diazomethan, H2SO4/MeOH) der Fall war.

Die Verwendung von n-Hexan als Extraktionsmittel hat den Vorteil einer hohen Selektivität für unpolare Substanzen wie die Pyrethroid-Metabolite. Darüber hinaus kann Hexan leicht und ohne Rückstände von Wasser abgedampft werden, die die anschließende Silylierung empfindlich stören würden.

Ein weiterer Vorteil der Methode ist die sichere Erfassung der 3-Phenoxy-benzoesäure (3-PBA) als Metabolit von Permethrin oder Cypermethrin. Dieser Metabolit konnte in der bisherigen Analytik aufgrund eines erhöhten analytischen Störuntergrundes nicht niedriger als 1,0 µg/l Urin bestimmt werden. Mit Hilfe der neu entwickelten Methode konnte dieser Störuntergrund abgetrennt werden und dieser wichtige Parameter wieder in die Analytik integriert werden.

Mit der hier beschriebenen Methode wird eine Bestimmungsgrenze von 0,1 µg/l in Urin und eine Nachweisgrenze von ca. 0,05 µg/l erreicht. Die Methode kann somit ideal zur Bestimmung der Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung eingesetzt werden. Dabei werden nun bereits vorhandene Urinproben der Allgemeinbevölkerung auf die spezifischen Pyrethroid-Metabolite cis- und trans-Cl2CA, Br2CA, F-PBA und 3-PBA untersucht. Die Methode wurde publiziert (T. Schettgen, H.M. Koch, H. Drexler und J. Angerer: New gas chromatographic-mass spectrometric method for the determination of urinary pyrethroid metabolites in environmental medicine. J. Chromatogr. B, 778 (1-2), 121 - 130 (2002)).

 

 

Ergebnisse aus Biomonitoring-Studien

 Organophosphat-Pestizide

Es wurden Urinproben der Allgemeinbevölkerung und exponierter Personen auf die gruppenspezifischen Dialkyl(thio)phosphat-Metabolite der Organophosphatpestizide und den spezifischen Metaboliten 3,5,6-Trichloro-2-Pyridinol von Chlorpyrifos bzw. Chlorpyrifos-metyl untersucht.

Die neu entwickelte Methode für 3,5,6-Trichlor-2-Pyridinol, den spezifischen Metaboliten der Organophosphat-Wirkstoffe Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-metyl, wurde zur Bestimmung eines Referenzwertes der Basisausscheidung der deutschen Allgemeinbevölkerung eingesetzt.

Dazu wurden 50 Spontan-Urinproben der Allgemeinbevölkerung (5 Frauen, 45 Männer) untersucht. Der Kreatiningehalt der Urine lag zwischen 0,25 g/l und 4,52 g/l. Die Teilnehmer dieser Studie waren weder beruflich noch privat gegenüber Chlorpyrifos exponiert.

Als Ergebnis lässt sich feststellen, dass in allen Urinproben 3,5,6-Trichlor-2-Pyridinol nachweisbar war in Konzentrationen von 0,12 - 124,8 µg/l Urin. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden in der Tabelle zusammengefasst.

Tabelle 1: Ergebnisse der Untersuchungen zur Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung durch 3,5,6-Trichlor-2-Pyridinol

 

3,5,6-Trichlor-2-Pyridinol

 

µg/l

µg/g Kreatinin

95. Perzentil

11,3

6,7

50. Perzentil

1,4

1,0

Mittelwert

4,8

2,2

Median

1,5

1,1

 

Unsere Ergebnisse liegen in einem ähnlichen Konzentrationsbereich wie die Resultate von Hill et al. (50. Perzentil 3,0 µg/l; 95.Perzentil 13,0 µg/l) für die US-amerikanische Allgemeinbevölkerung und Aprea et al. (Median: 2,8 µg /g Kreatinin) für die italienische Bevölkerung. Mit unserer Methode konnte aber aufgrund der exzellenten Nachweisgrenze der TCPyr-Gehalt in jeder der untersuchten Urinproben bestimmt werden, während bisher der Nachweis nur ab Konzentrationen oberhalb von 1 µg/l gelang.

Die Ergebnisse der Vermessung des 50 Personen umfassenden Kollektivs der Allgemeinbevölkerung auf 3,5,6-Trichloro-2-Pyridinol wurden mit den für die Organophosphat-Wirkstoffe gruppen­spezifischen Dialkylphosphaten verglichen.

Tabelle: Die Ergebnisse sind tabellarisch dargestellt in µg/l Urin:

 

TCPyr

DEP

DETP

DMP

DMTP

% > NWG

100

94

46

96

100

Bereich

0,12-125

< NWG-22,7

< NWG-54,6

< NWG-322

2,9-324

95. Perzentil

11,3

18,5

15,6

102

179

Median

1,4

4,2

1,7

30,8

22,7

In allen Proben konnte TCPyr, gemeinsamer Metabolit von CPF und CPF-m, nachgewiesen werden. Auch bei den Alkylphosphaten waren nahezu alle Proben positiv, außer bei DETP (46%).

Über die ausgeschiedene TCPyr-Menge läßt sich auf die aufgenommene Pestizidmenge grob abschätzen. Danach entspricht 1,4 µg/l TCPyr im Urin einer Aufnahme von ca. 2,5 µg CPF/CPF-m pro Tag. Der höchsten gemessenen TCPyr Konzentration von 125 µg/l TCPyr entspricht einer Aufnahme von 225 µg CPF/CPF-m pro Tag. Vergleicht man das mit dem ADI (WHO/FAO) von 10µg/kg/Tag bedeutet das, daß beim Medianwert keine Überschreitung zu befürchten ist. Der Maximalwert aber könnte eine Überschreitung des ADI`s bedeuten, wenn man z.B. von einem Kind mit 20kg Körpergewicht ausgeht.

Die Konzentrationen an TCPyr und Alkylphosphaten sind annähernd log-normalverteilt und sprechen für eine relativ homogene Belastung der Allgemeinbevölkerung für CPF bzw. CPF-m sowie weiteren Organophosphaten. Ausgehend vom Medianwert können wir weiter erkennen, daß sich TCPyr zur Summe der Ethylphosphate und der Summe der Methylphosphate wie 1 zu 3 zu 40 verhält.

 

Abbildung: Relative Summenhäufigkeiten der Organophosphat-Metabolite im Urin

 

Dies lässt darauf schließen, dass die Allgemeinbevölkerung neben Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl noch weiteren Organophosphat-Pestiziden ausgesetzt ist (z.B. Parathion, Malathion ...).

 

 

Pyrethroide

Mit der neu erarbeiteten Methode konnten in 52% bzw. 72 % der 46 untersuchten Urinproben cis- bzw. trans-Cl2CA im Urin nachgewiesen werden. Die Medianwerte für die beiden Metabolite lagen bei 0,06 µg/l bzw. 0,11 µg/l. Die 3-Phenoxybenzoesäure wurde in 70 % der untersuchten Urinproben gefunden; der Medianwert lag hier bei 0,16 µg/l.

Tabelle 1: Ergebnisse des biologischen Monitorings

 

 

cis-Cl2CA

trans-Cl2CA

Br2CA

F-PBA

3-PBA

n

 

46

46

46

46

46

NWG

[µg/l]

0,05

0,05

0,05

0,05

0,05

n > NWG

 

52 %

72 %

13 %

4 %

70 %

Median

[µg/l]

0,06

0,11

< 0,05

< 0,05

0,16

95. %

[µg/l]

0,29

0,64

0,17

< 0,05

0,67

max. Wert

[µg/l]

1,5

3,5

0,4

0,2

1,7

 

Mit diesen Ergebnissen wird die von uns bisher vertretene Meinung bestätigt, dass die Allgemeinbevölkerung eine relativ homogene Belastung durch Pyrethroide aufweist. Dies bestärkt uns auch in der Auffassung, dass diese Belastung weniger aus punktuellen Anwendungen bzw. Aufnahmen von Pyrethroiden resultiert. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass die Nahrung die Quelle für die Pyrethroidbelastung der Allgemeinbevölkerung darstellt.

Nach der oralen Aufnahme ist die Konzentration des trans-Isomers im Harn etwa doppelt so groß wie die des cis-Isomers. Bei der dermalen Aufnahme hingegen bleibt die Konzentration beider Isomere ungefähr gleich, das Verhältnis aus trans zu cis beträgt 1 : 1,2.

Die Korrelation der beiden Isomere in den von uns untersuchten Harnproben ergibt ein Verhältnis zwischen trans- und cis-Cl2CA von etwa 2,35.

 

Abbildung: Ausscheidung von trans- und cis-Cl2CA im Urin

 

 

Dieses Verhältnis ähnelt demjenigen, das unter experimentellen Bedingungen nach oraler Aufnahme beobachtet wurde. Dies kann zumindest als Hinweis darauf gewertet werden, dass die Allgemeinbevölkerung Pyrethroide oral aufnimmt.

Untermauert wird diese These durch einen weiteren, hochsignifikanten Unterschied in der Menge der ausgeschiedenen Metabolite, der sich laut Woollen et al. bei den verschiedenen Aufnahmepfaden ergibt. Danach dominiert nach oraler Aufnahme des Pyrethroids eindeutig die Ausscheidung der Cyclopropancarbonsäuren, bestimmt als die Summe aus cis- und trans-Cl2CA. Das Verhältnis der Summe aus cis- und trans-Cl2CA zur gebildeten 3-PBA beträgt in der Studie von Woollen ( Woollen et al., 1992) bei oraler Aufnahme im Mittel etwa 2,4 : 1.

Bei der dermalen Aufnahme dreht sich dieses Verhältnis um. Hier überwiegt die Konzentration an 3-Phenoxybenzoesäure. Das Verhältnis der Summe aus cis- und trans-Cl2CA zur 3-PBA beträgt hier 1 : 2.

Wiederum haben wir die entsprechenden Konzentrationen in den von uns untersuchten Urinproben korreliert. Demzufolge ergibt sich ebenfalls sehr signifikant ein Verhältnis aus der Summe der Cyclopropancarbonsäuren zur 3-Phenoxybenzoesäure von ca. 2,5 : 1. Es stellt sich demnach erneut eine gute Übereinstimmung mit den unter experimentellen Bedingungen untersuchten Metabolitenverhältnissen heraus.

Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse verdichten sich damit die Hinweise, dass die Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung durch eine orale Aufnahme der Pyrethroide bedingt ist.


Ausblick

In allen bearbeiteten Themenbereichen kristallisiert sich immer mehr der Verdacht heraus, dass die Belastung der Allgemeinbevölkerung durch Pestizidrückstände in der Nahrung, v.a. pflanzlicher Nahrung, bewirkt wird.

Interessant wird es deshalb sein, an entsprechenden Kollektiven zu prüfen, wie sich besondere Ernährungsweise (vegetarisch, vegetarisch-biologisch, biologisch) in der Belastungssituation widerspiegelt.

Erste Hinweise geben Einzelfallbeispiele: der Verzehr großer Mengen Obst führte bei einer Frau (38 Jahre, Nichtraucherin) zu hohen Organophosphat-Werten. Hinweise auf Innenraumbelastungen lagen nicht vor, Mann und Sohn, die sich "normal" ernährten zeigten Organophosphatwerte im Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung. Nach Umstellung der Ernährung auf biologisch angebaute Ware lagen die Pestizidwerte der Frau im unteren Bereich der Normausscheidung der Allgemeinbevölkerung (Heudorf, 2000). Entsprechende, statistisch aussagekräftige Kollektive liegen jedoch bis dato nicht vor.

Es zeigt sich, dass die Problematik der Pestizidbelastung der Allgemeinbevölkerung in immer breiteren Kreisen der Umweltmedizin aber auch der allgemeinen Medizin erkannt worden ist und diskutiert wird. Mit den in unserem Hause entwickelten hochempfindlichen Methoden sind wir in der Lage einen wichtigen Beitrag zur Bestimmung der Belastungssituation der Allgemeinbevölkerung aber auch spezieller Bevölkerungsgruppen wie Vegetarier oder sich biologisch Ernährender zu leisten, die als besonders belastet gelten müssen.


Veröffentlichungen des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin in Zusammenhang mit dem Projekt

 

H. M. Koch und J. Angerer: Analysis of 3,5,6-Trichloro-2-pyridinol in Urine Samples from the General Population using Gas Chromatography - Mass Spectrometry after Steam Distillation and Solid Phase Extraction. J. Chromatogr B, 759-1, 43-49 (2001).

H. M. Koch, J. Hardt and J. Angerer: Biological monitoring of exposure of the general population to the organophosphorus pesticides chlorpyrifos and chlorpyrifos-methyl by determination of their specific metabolite 3,5,6-trichloro-2-pyridinol.Int. J. Hyg. Environ. Health, 204 (2-3), 175-180 (2001).

H. M. Koch, J. Hardt , J. Angerer und H. Drexler : Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl: weitere Beispiele für die Belastung der Allgemeinbevölkerung durch Pflanzenschutz- und SchädlingsbekämpfungsmittelIn. MedReview, 2. Jahrgang Nr.6, 5-6 (2001), Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin

T. Schettgen, H.M. Koch, H. Drexler und J. Angerer: New gas chromatographic-mass spectrometric method for the determination of urinary pyrethroid metabolites in environmental medicine. J. Chromatogr. B, 778 (1-2), 121 - 130 (2002)

T. Schettgen, U. Heudorf , H. Drexler , J. Angerer: Pyrethroid exposure of the general population - Is this due to diet? Toxicol. Letters 134 (1-3), 141 - 145 (2002).


Vorträge des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin in Zusammenhang mit dem Projekt

 

H. M. Koch. und J. Angerer : Biological Monitoring of Exposure of the General Population to the Organophosphorous Pesticide Chlorpyrifos/-Methyl, Posterpresentation,  Fifth Conference of the International Society of Environmental Medicine (ISEM), Hannover, 1.-4. Oktober,  2000 (poster-presentation).

T. Schettgen, H. Drexler und J. Angerer: Die Pyrethroidbelastung der Allgemeinbevölkerung - Hinweise auf eine orale Aufnahme. 41. Wissenschaftliche Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, Erlangen, 25.-28. April, 2001

H. M. Koch, J. Hardt , J. Angerer und H. Drexler : Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl: weitere Beispiele für die Belastung der Allgemeinbevölkerung durch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, 41. Wissenschaftliche Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, Erlangen, 25.-28. April, 2001.

T. Schettgen, U. Heudorf, H. Drexler und J. Angerer: Pyrethroid exposure of the general population in Germany, Fifth international Symposium on biological Monitoring in Occupational and environmental Health, Banff, Alberta Canada, 19.-21.September, 2001.